Besichtigung des Westdeutschen

 

Protonentherapiezentrums Essen (WPE)

 

 

Im Rahmen eines Treffens der Selbsthilfegruppen mit dem psychoonkologischen Dienst des Universitätsklinikums Essen erhielt ich im September 2015 die Gelegenheit als Vertreterin von „gut-drauf“ das neue Therapiezentrum zu besichtigen.

Die ärztliche Leiterin des Protonentherapiezentrums und Direktorin der Klinik für Partikeltherapie, Frau Prof. Dr. Beate Timmermann, hielt einen Einführungsvortrag. Anschließend wurden wir durch das Haus geführt. Bei dem interessanten Vortrag wurde den Selbsthilfegruppen-Vertretern erläutert, dass das WPE mit der Protonentherapie eine präzise und schonende Form der Strahlentherapie zur Behandlung von Tumoren in allen Bereichen und Lagen des Körpers ermöglicht.

Das 2013 eröffnete Haus bietet als eines der ersten Zentren in Deutschland und Europa alle Methoden der Protonentherapie an und befindet sich immer noch im Aufbau. Von den geplanten vier Behandlungsräumen stehen zurzeit zwei zur Verfügung. Die Geräte in jedem Raum müssen exakt eingemessen und getestet werden, bevor Behandlungen möglich sind. Man rechnet damit, dass etwa in 2018 alle Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen werden.

Zurzeit werden ca. 280 Patienten pro Jahr behandelt, davon überwiegend Kinder. Die Anzahlt steigert sich kontinuierlich, so wie die weiteren Behandlungsräume fertig gestellt werden. Zunächst können Tumore in „starren“ Regionen behandelt werden, wie im Schädelbereich, der Wirbelsäule oder dem Becken. Ein Augentherapieplatz wird bald in Betrieb genommen. Bei der Behandlung von Lungentumoren wird eine atemgetriggerte Strahlabschaltung eingesetzt werden. Das bedingt eine präzise Bestrahlung eines Tumors in beweglichem Gewebe.

Die Protonentherapie entlädt ihre Strahlungsenergie im Tumor selbst. So schont sie das gesunde Gewebe. Durch die zielgenaue Einsetzbarkeit verringert sich das Risiko eines Folgetumors.

Bei der sonst üblichen Photonentherapie ist die Eindringtiefe sehr gering. Daher muss der Tumor aus mehreren Richtungen bestrahlt werden wobei in der Schnittmenge die größte Strahlenintensität entsteht. Dadurch kann mehr umliegendes Gewebe geschädigt werden. Bei der neuen Protonentherapie reicht z. B. bei einem Prostatatumor eine Bestrahlung von zwei Seiten. Außerdem entfalten diese Strahlen ihre Intensität erst nach einer tieferen Eindringstärke. Danach fällt die Strahlung stark ab. So konzentriert sich die Strahlung im Wesentlichen nur auf das Tumorgewebe und die umliegenden Organe werden geschont.

Da das Verfahren sehr teuer ist und noch nicht alle Therapieplätze zur Verfügung stehen, können zurzeit nur ausgewählte Patienten behandelt werden. Die Kapazitäten werden jedoch kontinuierlich ausgebaut.

 

Birgit