Harz-Wanderung April 2015

Als wir zehn wanderlustigen 'Gutdraufler' am Mittwoch-Vormittag in Richtung Hahnenklee aufbrachen, befanden sich neben Wanderschuhen auch Hexenhüte im Gepäck, denn  wir  würden die Walpurgisnacht im Harz erleben. Nach dem Einchecken im Hotel 'Harzhöhe' brachen wir zur ersten Wanderung auf, die uns zuerst zur Stabkirche führte, einer 1907/08 im Stil norwegischer Kirchen gebauten, in Deutschland einzigartigen Holzkirche.

Ganz in der Nähe beginnt der 'Liebesbankweg', ein 7 km langer Rundweg, der auf halber Höhe um den Bocksberg herumführt. 25 geschnitzte Bänke stehen für Ereignisse des Liebes- und Ehelebens. Auf dem Weg bekamen wir aber auch erste Informationen zum Harzer Bergbau, und dem damit verbundenen 'Oberharzer Wasserregal'.           

Am nächsten Tag erfuhren wir darüber noch viel mehr, denn nach einem zweistündigen Marsch besichtigten wir das Bergwerkmuseum Lautenthal. Unterwegs konnten wir an einer Station des Bergbaulehrpfades die Funktion der wasserbetriebenen 'Fahrkunst' beobachten, die uns dann bei der Führung genau erklärt wurde. Damit sparten  Bergleute ab 1833 bei einem 500m tiefen Schacht für Hin- und Rückweg mehrere Stunden Zeit, da sie mit ihrem viele kg schweren Arbeitsgerät nicht mehr über 100 Leitern hinab- und hinaufklettern mussten, sondern 'fahren' konnten. Nach heutigen Vorstellungen allerdings eine abenteuerliche Technik, da sie ständig von einem senkrechten Balken mit kleinen Trittflächen und Haltegriffen auf den anderen umsteigen mussten.

In einem Stollen konnten wir ausprobieren, wie Bergleute in Clausthal-Zellerfeld das Erz auf einem Kanal aus dem Bergwerk hinaus transportierten, indem sie sich und den mit bis zu 1000 kg beladenen Erzkahn an einem über ihnen angebrachten Drahtseil entlang zogen. Für uns ein Spaß, aber wir mussten ja auch nur unser eigenes Gewicht ziehen!  

Da es inzwischen zu regnen angefangen hatte und wir für den Hexenabend fit sein wollten, beschlossen wir, für den Rückweg den Bus zu nehmen. Die Wartezeit nutzten wir, um ein Café 'leer' zu essen.

Das Programm in Hahnenklee hatte schon mittags angefangen, wir machten uns aber erst gegen 22 Uhr auf den Weg, als auch der Regen endlich aufhörte. Nach fetziger Musik wurde im toll beleuchteten Kurpark ein großes Feuer angezündet, dann gab es eine Show mit 'Feuerjongleuren', danach kam der Teufel auf die Bühne, der aber sofort durch Kirchenglocken und die Maienkönigin vertrieben wurde. Um Mitternacht wurde der Mai mit einem Höhenfeuerwerk und anschließendem Walzer begrüßt, den alle anwesenden Hexen und Teufel einträchtig mittanzten.

Am nächsten Morgen stand eine Harzrundfahrt auf unserem Programm. Über Clausthal-Zellerfeld, und Braunlage fuhren wir nach Quedlinburg, seit 1994 Weltkulturerbe. Dort gibt es noch 1500 Fachwerkhäuser, die bis auf wenige Ausnahmen schön restauriert sind. Das Wetter spielte auch mit, so dass es sogar im 'Vorhof zur Hölle' gar nicht gruselig war. Einzig die kaum genießbaren Windbeutel in der Schlossgaststätte trübten die Stimmung ein wenig. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher nach Goslar, doch für mehr als einen ersten Eindruck von dieser schönen Stadt reichte die Zeit leider nicht mehr.

 

Unser letzter Wandertag führte uns auf den „Brocken“, die mit 1141 m höchste Erhebung des Harzes. Wir hatten uns den richtigen Tag ausgesucht. Laut Reiseführer gibt es dort an 330 Tagen im Jahr Nebel, aber für uns lachte die Sonnen und wir genossen die gute Fernsicht.

Wir wählten einen Aufstieg, der uns durch Wald mit großen Felsen führte. Etwa das letzte Viertel der Strecke legten wir auf der Asphaltstraße zurück. Dort wurde der Andrang der Touristen immer stärker. Zusätzlich fuhren Radfahrer gewagte Manöver zwischen den Menschmassen. Viele Personen gelangten mit der Brockenbahn nach oben. So teilten wir uns den Gipfel mit einigen Hunderten Ausflüglern. Nach einem gemütlichen Picknick an windgeschützter Stelle in der Sonne traten wir den Abstieg an. Schon bald nahmen wir einen Holzpfad durch Moor und später über felsiges Gelände. Dort waren wir fast die einzigen Wanderer und genossen die Natur.

 

Birgit/Ulla